Auf dem Boden (Roman) 

 

Der Roman ist endlich fertig, ich suche gerade einen Verlag dafür!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einführung

Inhalt

2. Kapitel

 

Einführung:

 

Georg und Sven teilen sich eine Wohnung, einen ausgebauten Dachboden. 

Sie kennen sich von früher, beiden geht finanziell gerade nicht so gut,

Georg studiert mittlerweile Kunst, Sven arbeitet in einer Fabrik und gehört

zu einer rechtsradikalen Gruppe. Während Georg Partys besucht und an 

seinen Werken feilt, beteiligt sich Sven an weltanschaulichen Debatten 

und an Attentaten. Dann kommt es zur Konfrontation.

 

Inhalt:

 

Erste Tafel

    1. Der Einzug

    2. Die Fülle

    3. So fängt es an

    4. Was Sven sonst noch für Leute kennt

    5. Meinen Ton schlage ich selbst

 

Zweite Tafel

    1. Erstsemesterparty

    2. Eine erstaunliche Wahl

    3. Ein Lied für den Ersten

    4. Die Brücke

    5. Mal so ganz weg von der Bildgeschichte

 

Dritte Tafel

    1. Eine "Mädchenparty"

    2. Martin will trennen

    3. Das Bürgertum bemüht sich um ein Gespräch,

               doch es findet nicht statt

    4. Schlägerei auf dem Bahnsteig

    5. Was ihm zusteht

 

Vierte Tafel

    1. Disco

    2. Feuer

    3. Herr Sen meint, es gehe auch ohne Gegenstände

    4. Eine Begegnungsstätte wird umgestaltet

    5. Die abstrakte Form schlägt hier

               in etwas sehr Körperliches um

 

Fünfte Tafel

    1. Geburtstag mit Trommeln

    2. Ein alter Brite

    3. Im Krampenhof

    4. Ein Wohnheim beleuchtet so einiges

    5. Bitte nicht so sekundär

 

Sechste Tafel

    1. Kulturbahnhof

    2. Auf einem Grillabend treten drei Kriterien auf

    3. Eine Vernissage wie aus einem anderen Film

    4. Wieder ein Anschlag

    5. Ein afrikanischer Kopf

 

Siebte Tafel

    1. Durch Kneipen in den Mai

    2. Vernunftursprung

    3. In der Sparkasse

    4. Ein Fahrradgestell

    5. Georg trennt sich von einigem

 

Achte Tafel

    1. Fremde Gäste

    2. Der Lichtbringer stolpert

    3. Fast wie postum

    4. Auf der Straße

    5. Danach

 

 

 

2. Die Fülle

 

Fremde Zärtlichkeiten drangen in Svens Traum, zwei undeutliche Menschen tauchten da auf, nur einer von ihnen sprach. Dann wehrte sich irgendwas in seinem Kopf gegen die Dinge, die da nicht zusammen passten. Und auch mit der Umgebung stimmte etwas nicht, er konnte seinen Arm nicht zur Seite bewegen.  Er wurde wach, er lag in einem Schlafsack in Georgs Wohnung. Er bekam eine Hand frei und rieb sich sein Gesicht. Er sah, wie Lars gegenüber auf der Couch lag, das Handy fest ans Ohr gedrückt, und an die Decke schaute. Er erklärte seiner Freundin, dass hier noch einiges zu helfen sei, aber dass das wohl nicht so lange dauern würde. Er erklärte das mehrmals, unterbrochen von Küsschen, die er durch das Handy schickte. Irgend- wann war das Gespräch doch beendet und er legte das Handy zur Seite. Dann sah er, dass Sven wach war.

„Ach, guten Morgen. Auch schon wach?“

„Ja.“

„Und? Die Feier gut überstanden?“

„Ja. Da hab ich nie Probleme mit.“

„War ja jetzt auch nicht so viel. Aber ich muss sagen, so ein bisschen, wenn ich mal so in mich hineinhöre...“ Er schaute eine Weile stumm zur Decke, „...dann habe ich doch einen Kater.“

„Och, ich hab schon ganz anders getrunken.“

„Ja? Schön. Man soll ja mit dem weitermachen, womit man aufgehört hat.“

„Ich weiß nicht, ob da noch Bier übrig war.“

Lars schüttelte den Kopf. „Das war’s nicht.“ Er schaute zu Georg hinüber, der unverändert im Bett lag. Sven hatte ihn bis jetzt nicht bemerkt. „Der schläft wohl noch ’ne Weile,“ sagte Lars. Er griff nach seiner Jacke, die neben der Couch über einem Stuhl hing und untersuchte sie. Es dauerte eine Weile, bis er seinen Tabak gefunden hatte. Zufrieden baute er sich einen Joint. „Rauchst du?“

„Ja.“

„Sehr sympathisch. Man soll ja nicht vor dem Frühstück rauchen, aber ich würde ja eh nicht viel essen. Ich muss auf mein Gewicht achten.“ Er rieb sich den Bauch. „Und dann ist das ja nicht so schlimm.“ Er lachte. „Oder?“

„Klar.“

„Klar. Ich bin froh, dass du das auch so siehst.“ Lars rauchte und schaute glücklich vor sich hin. „Willst du auch?“

„Ja.“

Lars lehnte sich aus dem Bett heraus und reichte Sven die Zigarette. Der nahm einen Arm ganz aus dem Schlafsack, nahm einen Zug und gab sie zurück.

„Du studierst auch Kunst, wie Georg?“ fragte Sven.

„Jo.“ Lars schien sehr zufrieden damit.

„Ist das deutsche Kunst?“

Lars stutzte und schüttelte den Kopf. „Was?“

„Naja, ich hab mal gehört, jemand studiert deutsche Literatur. Ich dachte, bei der Kunst ist das auch so.“

Lars unterdrückt ein Lachen. „Aber du nimmst mich jetzt nicht auf den Arm oder so?“ Er schien zu dem Eindruck zu kommen, dass Sven das nicht tue. „Und jetzt meinst du, alles wäre nach Ländern sortiert.“

„Hätte ja sein können.“

„Jo. Eigentlich ein interessanter Gedanke. So was überlegt man sich sonst gar nicht. Obwohl, das gibt’s ja sonst auch oft. Jura heißt zwar auch die Rechte, aber in Wahrheit studiert man vor allem deutsches Recht. Ein bisschen europäisches vielleicht noch.“

Sven verstand das offensichtlich nicht.

„Wäre aber eine seltsame Vorstellung: Ich male nur deutsche Farben.“

Lars schien noch eine Weile diesem Einfall nachzuhängen, ein paar mal kicherte er in sich hinein. Sven zeigte aber keine Neigung, die Komik dieser Frage weiter auszubauen, und so kam Lars wieder auf anderes. Er reichte Sven noch einmal den Joint und der tat einen weiteren Zug.

„Du interessierst dich für Kunst?“

„Natürlich.“

„Jo, so soll das sein. Was machst du eigentlich noch mal. Ich hab das gar nicht so in Erinnerung von gestern.“

„Ich bin in der Galberg-Fabrik, in der Instandsetzung.“

„Ah ja. Ja genau.“ Lars nahm noch einen Zug. „Und machst du das im Hauptberuf oder nur so zum Geldverdienen?“

Sven war der Unterschied nicht klar. „Ich arbeite da.“

„Ach ja, klar.“ Ein weiterer Zug. „Und hast du schon mal was so mit Kunst gemacht? Du sagtest ja, dass du dich dafür interessierst.“ Irgendwas schien Lars rätselhaft zu sein. Er legte sich auf die Seite, stützte die Wange auf eine Hand und schaute Sven an.

„Nö.“

„Hätte ja sein können. Es hat mich eben überrascht, wie du gerade auf deutsche Kunst gekommen bist.“ Es war wieder Zeit für einen Zug. „Es gibt natürlich schon ein paar Maler, die für typisch deutsch gelten, mal so in Anführungsstrichen. Dürer, Grünewald, Friedrich. Die würden mir jetzt einfallen. Das ist natürlich schon geniale Malerei.“

„Von Rembrandt hab ich mal was gehört.“

Lars zögerte. „Obwohl das ja eigentlich ein Niederländer ist,“ sagte er dann doch.

„Nein, der ist Deutscher.“

Lars ließ das eine Weile wirken. „Also, ich bin mir ziemlich sicher, dass er aus Amsterdam stammte. Du... du nimmst mich auch wirklich nicht auf den Arm?“

„Nein,“ sagte Sven ärgerlich. Er überlegte aufzustehen, ins Bad zu gehen. Ihm wurde heiß im Schlafsack. Er beließ es dann doch dabei, beide Arme herauszunehmen. Den linken legte er unter den Kopf, damit der höher lag.

„Ich denke halt, dass diese Maler, oder Immendorff oder wer auch immer, zwar Deutsche sind, aber das man aus diesem deutsch nicht viel gewinnt, das was aussagt über diese Bilder.“

„Hm.“

Lars drehte sich wieder auf den Rücken und schaute zur Decke. „Naja, war nur so ein Gedanke.“

„Ich dachte nur, wenn man verschiedene Sprachen studiert dann studiert man auch verschiedene Kunst.“

„Interessant. The linguistic turn! Es gibt ja Leute, die meinen, alles Denken sei sprachlich. Man müsste dann ja auch Bilder sprachlich denken. Also die Taube oder eine Lilie, die ich auf einem Bild sehe, und an die ich dann später noch mal denke, müsste ich dann als Wort und nicht als Bild denken. Das ist natürlich völliger Quatsch, denn alle Leute haben sehr wohl Bilder im Kopf. Aber schon interessant. Ein Bild mal deutsch und mal italienisch zu denken. Ich denke ja, dass nur zehn Prozent des Denkens sprachlich sind. Zum einen sind da die Bilder und Töne, die man denkt, und da ist da jede Menge, was man einfach als Zusammenhang weiß, ohne es auszuformulieren.“

Sven hatte davon nicht viel mitbekommen.

„Und auch bei Sprachen, man müsste immer noch mindestens eine fremde lernen, um zu sehen, dass es auch ganz anders geht. Ganz anders. Niederländisch oder Englisch sind Tinnef. Kisuaheli oder Japanisch. Ganz anders. Damit man auch wirklich eine andere Wahrnehmung kennen lernt. Und nicht nur eine ähnliche. Und afrikanische Kunst. Und Thailändische. Aber wir sind heute so bildgierig, das meiste ist eh schon irgendwo aufgegriffen und verwurstet. Und sei’s in der Werbung. Hast du diese ganze Alien-Debatte verfolgt?“ Lars dachte recht offensichtlich nicht mehr daran, mit wem er gerade sprach. Der Joint ging zur Neige. Er erstickte den Stummel seines Joints ziemlich umständlich in einem Papiertaschentuch, wickelte ihn darin ein und ließ das vor das Bett fallen. „Ich finde das total spannend, wie man Außerirdische entworfen hat in den ganzen Science-Fiction. Das sind ja immer Übertragungen davon, wie man irgendwelche Randgruppen oder andere Kulturen gesehen hat. Loving the alien. Jaja. Tja. Aber... ich laber dich doch hier nicht voll, oder?“

„Ich wollte sowieso noch nicht aufstehen. Red’ ruhig weiter.“

Sven ließ die fremde Rede an sich vorübergleiten. Er drehte sich um, von Lars weg, der das in seinem Glück nicht weiter wahr nahm. Er lag auf dem Boden in diesem Schlafsack, irgendwas mit einem Handtuch drum als Kopfkissen und schaute zur Seite. Er hatte ein paar Tischbeine direkt vor sich und dazwischen standen einige von Georgs Kunstwerken in Folie gehüllt. Sven hatte keine Vorstellung, wie die unter ihrer schützenden Hülle aussehen mochten.

„Tja. Ich sage nur: die Fülle. Es gibt so viele gute Bilder. Es gibt so viele Möglichkeiten in der Malerei, du kannst dir jeden Tag Weihnachten machen, in dem du neue Kunst findest. In dem du sie ansiehst. Lebst. Ich sage nur: Das Leben - die Fülle. Jaja." So schwelgte er noch eine Weile weiter.

Sven hörte nicht mehr zu, er hatte dann keine Lust mehr, diese Dinge unter diesem Tisch zu betrachten. Er ging ins Bad.

Als er wieder in das Zimmer kam, schaute Lars noch immer sinnend an die Decke und Georg schlief unverändert.

„Kann man hier Frühstück machen?“

„Gerne,“ meinte Lars.

 

zurück